Vor einer Woche haben wir bei der Shift/HR ein Lern-Meetup zu Skill Management ausprobiert. Ein Vortragsprogramm gab es nicht. Die Teilnehmenden haben ihre eigenen Fragen mitgebracht: wie Organisationen Kompetenzen sichtbar machen, welche Nachweise belastbar sind und woran man eine Skill-basierte Organisation in der Praxis überhaupt erkennt. Die Runde hat uns in einer Überlegung bestärkt, die uns seit einigen Monaten beschäftigt.

Was nach dem Konferenztag passiert

Seit 2006 organisieren wir Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Mit der Mediathek bleiben die Sessions verfügbar, und seit März lassen sich Inhalte auf der Plattform in eigenen Collections bündeln, wie wir es nach der Konferenzwoche beschrieben haben. Was uns noch fehlt, ist ein Rahmen, in dem Fachverantwortliche über Wochen an ihrem Vorhaben dranbleiben und sich dabei mit anderen spiegeln. Wer ein Skill-Modell einführt oder ein HR Operating Model umbaut, hat Fragen, die sich in einer Session nicht beantworten lassen. Sie tauchen meist erst auf, wenn das Projekt schon läuft.

Dass sich Lernen in den Fachbereichen verändert, diskutieren wir auf der Shift/HR schon länger, zuletzt mit Blick darauf, wie KI das Lernverhalten verändert und warum Skills im HR-Management an Bedeutung gewinnen. Für uns selbst folgt daraus eine unbequeme Frage: Reicht es, Wissen gut aufbereitet anzubieten, wenn der eigentliche Lernschritt erst im Gespräch mit Menschen entsteht, die vor derselben Aufgabe stehen?

Drei Formate, an denen wir arbeiten

Bisher sind es drei Ideen mit unterschiedlich viel Verbindlichkeit. Fertig ist keine davon.

  • Lernzirkel sollen offene, virtuelle Runden zu einem Thema sein, in denen sich Interessierte regelmäßig austauschen. Eine feste Agenda gibt es nicht, die Themen entstehen aus dem, was die Teilnehmenden mitbringen. Die Schwelle zum Mitmachen soll niedrig bleiben.
  • Peer Labs sind der Gedanke, gemeinsam an einer konkreten Fragestellung zu arbeiten, kompakter und fokussierter als ein Zirkel. Hier stehen wir noch ganz am Anfang. Wie lang, wie groß und wie moderiert ein solches Lab sein sollte, ist offen.
  • Bench Learning denken wir als feste Gruppe von Organisationen mit vergleichbaren Vorhaben, die sich über mehrere Termine trifft. Die Teilnehmenden vergleichen ihre Vorgehensweisen, bekommen fachliche Impulse und halten fest, was sie auf das eigene Projekt übertragen wollen.

Wie wir uns Lernzirkel und Live-Coaching und Bench Learning vorstellen, beschreiben wir bei der Shift/HR. Beim Bench Learning arbeitet die Gruppe an den realen Projektfragen der Teilnehmenden. Zwischen den Terminen wird im eigenen Haus ausprobiert, und die nächste Runde greift auf, was dabei herausgekommen ist. Das verlangt deutlich mehr als ein Webinar, von den Teilnehmenden und von uns.

Was wir dabei noch lernen müssen

Wir wissen noch nicht, wie viel Verbindlichkeit Fachverantwortliche neben dem Tagesgeschäft eingehen wollen. Wir wissen auch nicht, welche Themen eine Gruppe über Monate tragen. Und wer offen über eigene Projekterfahrungen spricht, braucht einen geschützten Rahmen. Wie wir Vertraulichkeit so regeln, dass sie Vertrauen schafft und trotzdem Austausch zulässt, müssen wir mit den ersten Gruppen herausfinden.

Eine Grenze ist uns schon jetzt wichtig: Bench Learning soll weder Beratung ersetzen noch Projektmanagement übernehmen. Die Erfahrung der anderen hilft, den eigenen Weg einzuordnen, gehen muss ihn jede Organisation selbst. Welche Rolle Partner dabei spielen, etwa mit fachlichen Impulsen, wie wir es im Mai für die Mitgestaltung von Themen skizziert haben, klären wir noch.

Aus der Forschung zu Lerngemeinschaften nehmen wir mit, dass Gruppen, die sich regelmäßig zu einem gemeinsamen Anliegen austauschen, nach und nach eine gemeinsame Praxis entwickeln (Wenger-Trayner zu Communities of Practice). Ob sich das auf digitale Runden mit wechselnder Besetzung übertragen lässt, ist eine der Fragen, die wir nur im Ausprobieren beantworten können.

Die nächsten Schritte

Mitte Juli probieren wir bei der Shift/Work einen offenen Lernzirkel zu AI Governance & Leadership aus. Im ersten Termin legen die Teilnehmenden gemeinsam fest, welche Schwerpunkte sie vertiefen wollen. Bei der Shift/HR geht der Austausch zu Skill Management in einem eigenen Lernzirkel weiter. Beides passt zu dem Plattformmodell, das wir im Dezember beschrieben haben, mit Lernpfaden und Community als Teil des Ganzen.

Wer gerade an einem Vorhaben arbeitet, das sich für eine solche Runde eignet, oder ein Thema vorschlagen möchte, meldet sich gerne bei uns. An Euren Rückmeldungen merken wir, welches der drei Formate trägt und welches wir noch einmal neu denken müssen.